ADS – Kontroversen und Diskussionen

ADS ist ein sehr heiß diskutiertes Thema. Von wegen „Volkskrankheit“ und „Universalausrede“. Ich möchte hier keine Meinungsmache betreiben, und auch meine Meinung nicht darlegen. Ich werde hier nur einige der „Vorwürfe“ gegenüber ADS erläutern und analysieren.

Beginnen wir mit der Pharmaindustrie. Viele Kritiker behaupten, ADS sei eine von der Pharmaindustrie gekaufte Krankheit. Anlass dazu gab die Neuauflage des DSM, des Diagnostic And Statistical Manual Of Mental Disorders, einem Klassifikationsmodell psychischer Krankheiten. Es stellte sich heraus, das mehr als die Hälfte der Autoren, die für die ADS relevanten Kapitel zuständig waren, von der Pharmaindustrie bezahlt wurden. Die Angst der Kritiker lag dadrin, dass die Kriterien so formuliert würdren, dass man fast jedes Kind mit der Diagnose ADS versehen könne und folglich viel mehr Leute Medikamente zur Behandlung kaufen müssten. Dem wirkte nun aber die American Psychiatric Assosiation, welche das DSM regelmäßig überarbeiten, entgegen. Die Autoren müssen absofort ihre Einkünfte offen legen. Bis zu einem gewissen Einkommen ist man nur zulässig für die Erstellung des neuen Manuals, welches 2012 erscheinen soll.

Andere wiederum behaupten, ADS gäbe es garnicht, sondern sei eine Modekrankheit. Dieses sogenannte Disease Mongering ist eine Einstufung eines Mangels oder Symptoms als therapiebedürftige Krankheit. Dies wird oft von der Pharmaindustrie und dazugehörigen Wissenschaftlern und Ärzten betrieben, um neue Absatzmärkte zu schaffen. Aber auch Medizintechnikunternehmen, Krankenhäuser oder Buchautoren und Verlage können davon profitieren. Im Falle von ADS glauben Kritiker, dass die Pharmaindustrie zusammen mit Neurologen und Wissenschaftlern neue Medikamentenabhängigkeiten und Absatzmärkte schaffen wollte.

Dann gibt es die Leute, die der Ansicht sind, ADS sei keine Krankheit. Die auftretenden Symptome gehörten zum normalen Kreis menschlichen Verhaltens. Zurückführen könne man dies auf viele verschiedene Dinge. Aktuelle Lebensumstände spielen dabei eine Rolle, genau so wie die Veränderung der Umwelt. Dies umfasse im speziellen steigende Leistungsanforderungen, abnehmende gesellschaftliche Toleranz gegenüber den Ausprägungen kindlichen Verhaltens sowie Reizüberfutung, Sinnentleerung, etc. Nach dieser Ansicht sind die „Betroffenen“ auch nicht krank und eine medikamentöse Behandlung nicht angebracht sondern eventuell sogar schädlich.

Es gibt noch eine weitere Gruppe, die ADS nicht als Krankheit ansieht, sondern als Gabe. Sie bezeichnen ADS-Betroffene als „Träger der Edison-Gens“, in Anlehung an Thomas Edison, den Erfinder der Glühbirne und vermutlich auch ADS-Betroffener. ADS stelle eine andere Wahrnehmungsform dar, die ihre Stärken und Schwächen habe. Durch die medikamentöse Behandlung würden die Betroffenen nicht geheilt, sondern würden lernen mit ihren Schwächen umzugehen. Dies sei Vorraussetzung für eine solziale Integration. ADS sei eine „Art zu leben“.

Eine ganz kleine Gruppe sieht ADS nich als Ursache der Symptome sondern ADS sei die Zusammenfassung der Symptome, die von einer ganz anderen, meist ungeklärten Ursache herrühre. Somit sei es sehr willkürlich, alle ADS-Patienten über einen Kamm zu scheren.

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