ADS – Kontroversen und Diskussionen

ADS ist ein sehr heiß diskutiertes Thema. Von wegen „Volkskrankheit“ und „Universalausrede“. Ich möchte hier keine Meinungsmache betreiben, und auch meine Meinung nicht darlegen. Ich werde hier nur einige der „Vorwürfe“ gegenüber ADS erläutern und analysieren.

Beginnen wir mit der Pharmaindustrie. Viele Kritiker behaupten, ADS sei eine von der Pharmaindustrie gekaufte Krankheit. Anlass dazu gab die Neuauflage des DSM, des Diagnostic And Statistical Manual Of Mental Disorders, einem Klassifikationsmodell psychischer Krankheiten. Es stellte sich heraus, das mehr als die Hälfte der Autoren, die für die ADS relevanten Kapitel zuständig waren, von der Pharmaindustrie bezahlt wurden. Die Angst der Kritiker lag dadrin, dass die Kriterien so formuliert würdren, dass man fast jedes Kind mit der Diagnose ADS versehen könne und folglich viel mehr Leute Medikamente zur Behandlung kaufen müssten. Dem wirkte nun aber die American Psychiatric Assosiation, welche das DSM regelmäßig überarbeiten, entgegen. Die Autoren müssen absofort ihre Einkünfte offen legen. Bis zu einem gewissen Einkommen ist man nur zulässig für die Erstellung des neuen Manuals, welches 2012 erscheinen soll.

Andere wiederum behaupten, ADS gäbe es garnicht, sondern sei eine Modekrankheit. Dieses sogenannte Disease Mongering ist eine Einstufung eines Mangels oder Symptoms als therapiebedürftige Krankheit. Dies wird oft von der Pharmaindustrie und dazugehörigen Wissenschaftlern und Ärzten betrieben, um neue Absatzmärkte zu schaffen. Aber auch Medizintechnikunternehmen, Krankenhäuser oder Buchautoren und Verlage können davon profitieren. Im Falle von ADS glauben Kritiker, dass die Pharmaindustrie zusammen mit Neurologen und Wissenschaftlern neue Medikamentenabhängigkeiten und Absatzmärkte schaffen wollte.

Dann gibt es die Leute, die der Ansicht sind, ADS sei keine Krankheit. Die auftretenden Symptome gehörten zum normalen Kreis menschlichen Verhaltens. Zurückführen könne man dies auf viele verschiedene Dinge. Aktuelle Lebensumstände spielen dabei eine Rolle, genau so wie die Veränderung der Umwelt. Dies umfasse im speziellen steigende Leistungsanforderungen, abnehmende gesellschaftliche Toleranz gegenüber den Ausprägungen kindlichen Verhaltens sowie Reizüberfutung, Sinnentleerung, etc. Nach dieser Ansicht sind die „Betroffenen“ auch nicht krank und eine medikamentöse Behandlung nicht angebracht sondern eventuell sogar schädlich.

Es gibt noch eine weitere Gruppe, die ADS nicht als Krankheit ansieht, sondern als Gabe. Sie bezeichnen ADS-Betroffene als „Träger der Edison-Gens“, in Anlehung an Thomas Edison, den Erfinder der Glühbirne und vermutlich auch ADS-Betroffener. ADS stelle eine andere Wahrnehmungsform dar, die ihre Stärken und Schwächen habe. Durch die medikamentöse Behandlung würden die Betroffenen nicht geheilt, sondern würden lernen mit ihren Schwächen umzugehen. Dies sei Vorraussetzung für eine solziale Integration. ADS sei eine „Art zu leben“.

Eine ganz kleine Gruppe sieht ADS nich als Ursache der Symptome sondern ADS sei die Zusammenfassung der Symptome, die von einer ganz anderen, meist ungeklärten Ursache herrühre. Somit sei es sehr willkürlich, alle ADS-Patienten über einen Kamm zu scheren.

ADS – Alles daran schlecht?

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Folglich muss dort, wo man einen Schatten sieht, auch eine Lichtquelle sein. Soll heißen, ADS hat auch seine positive Seiten. Positiv in dem Sinne, dass es Symptome gibt, die einen guten, förderungswürdigen Effekt zeigen. Diese sind unter anderem:

  • Hypersensibilität: ADS-Betroffene mit Hypersensibilität sind in der Lage, Veränderungen sehr schnell zu erfassen. Dies äußert sich meist in einer besonderen Form der Empathie, das heißt sie können den emotionalen Zustand ihres gegenübers sehr gut abschätzen und sind in der Lage, angemessen auf diesen zu reagieren. Auch Veränderungen dieses Zustandes nehmen sie sehr gut wahr. Außerdem haben sie einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
  • Begeisterungsfähigkeit: Wenn sie ein Thema interessant finden, lassen sie sich dafür begeistern und schaffen es oftmals auch, sich über einen längeren Zeitraum, sich zu konzentrieren
  • Hyperfokus: Ähnlich wie die Begeisterungsfähigkeit können sich Betroffene, ganz im Gegensatz zu anderen Symptomen, auf ein bestimmtes Thema sehr, sehr gut konzentrieren, viel besser als andere Kinder. Sie sind in der Lage, sich Wissen zu diesem Thema in kürzester Zeit anzueignen. Dies geschieht, wenn der Betroffene genug Motivation für ein bestimmtes Thema entwickelt, im Gegensatz zur Begeisterungsfähigkeit zu einem bestimmten Thema kann er hier diese Motivation nicht selbst beeinflussen. Der Hyperfokus wird oftmals von Lehrern und anderen falsch verstanden und kommentiert: „Wenn er will, kann er doch“, jedoch ist dieses „wollen“ eher ein „unwollen“, die Motivation geschieht unwillkürlich.
  • Impulsivität: „Moment mal, Impulsivität wurde doch als negative Eigenschaft gezählt“, werden Sie nun denken. Stimmt. Aber wenn man diese impulsivität richtig dosiert, macht es die Betroffenen zu angenehmen Zeitgenossen und interessanten Gesprächspartnern. Die Äußerungen sind nun nicht mehr unkontrolliert und unangebracht, sondern fallen eher in die Sparte „Spontanität“, und sie passen meist auch zum Thema und fördern so die Unterhaltung.
  • Hyperaktivität: Ja, auch Hyperaktivität kann richtig dosiert eine gute Eigenschaft sein. Leicht hyperaktive Kinder sind viel besser für Sport im allgemeinen und Leistungssport im speziellen zu begeistern. Wenn es eine Sportart gibt die ihnen richtig Spaß macht, haben ADS-Kinder auch die Motivation, diese Sportart nicht nur als Hobby sondern schon fast als „Lebensinhalt“ auszuüben. Und wer fragt bei einem Olympia-Sieger noch nach ADS?

Neben diesen guten Eigenschaften gab und gibt es bekannte Persönlichkeiten, die an ADS litten bzw leiden:

  • Thomas Edison: Erfinder der Glühbire
  • Albert Einstein: Nobelpreisträger, Erfinder der Relativitätstheorie
  • Walt Disney: Der mit den Zeichentrickmäusen und -enten
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Komponist
  • und viele weitere

Und hier noch ein paar lebende Beispiele:

  • Bill Gates: der Microsoft-Typ
  • Will Smith: Schauspiel-Ikone
  • Michael Jordan: Nummer 23 der Chicago Bulls aka DER Basketballer der 90er
  • Emma Watson: die mit dem Zauberstab

Wie man sieht, muss man als ADS-Erkrankter die Hoffnung keinesfalls aufgeben.

ADS bei Erwachsenen

Nur Kinder haben ADS“, werden viele Leute sicherlich sagen. Stimmt nicht. Auch Erwachsene haben ADS, es zeigt sich in der Regel nur anders. ADS tritt bei Erwachsenen häufig dann auf, wenn es vorher nicht erkannt oder behandelt wurde. Es gibt sogar dokumentierte Fälle von über 50-jährigen, die medikamentös behandelt wurden.

Wie zeigt sich ADS im Erwachsenenalter? In leichten Fällen bleiben nur einige Restsymptome übrig. Sie vergessen kleinere Dinge oder schaffen es oft nicht, Dinge zu erledigen, die sie sich vorgenommen haben. Bei Frauen (ja, es ist klischeehaft) stapelt sich zu nähende Kleidung o.Ä., Berufstätige verpassen Termine oder Hobbyfußballer vernachlässigen das Training.

Wenn die Sache jedoch nicht mehr ganz so leicht ist, kann es oftmals existenzbedrohend werden: Wenn Berufstätige nicht ab und an mal einen Termin vergessen, sondern ständig, wenn sie nicht in der Lage sind, in einem Großraumbüro zu arbeiten, weil sie ständig jedem ins Wort fallen oder sich in wichtigen Meetings nicht auf das Wesentliche konzentrieren können, sondern lieber das Eichhörnchen beobachten, das den Baum hoch läuft, kann das ernste Konsequenzen nach sich ziehen.

Jetzt werden sie sagen: Ok, das passiert bei Kindern nicht, weil Kinder nicht arbeiten. Aber ansonsten ist es genau das gleiche. Ich gebe ihnen Recht. Doch nun folgt der wesentliche Unterschied in der Erscheinung der Krankheit bei Kindern und Erwachsenen. In erster Linie haben erwachsene ADS-Kranke leichte bis schwere Persönlichkeitsstörungen. Diese reichen von einfachen leichten Stimmungsschwankungen bis hin zu schweren Depressionen oder ausgeprögten Manien. Sie sind auf der Suche nach dem Extremen. Sie wollen immer „krassere“, immer „abgefahrenere“ Dinge tun. Nichts verwerfliches. Eigentlich. Denn häufig suchen sie diese Extreme nicht beim Bergsteige oder Bungeejumping, sondern im Rausch. Alkohol- und Drogenabhänigkeit treten vermehrt bei erwachsenen Betroffenen auf. Auch anderes Suchtverhalten ist bei ADS-kranken Erwachsenen oftmals der Fall. Nikotin- und Spielsucht sind hier die häufigsten Verteter.

Ganz kurz. Dies soll keine Ausrede für suchtkranke Menschen liefern. Da, wie schon erwähnt, 5-9% der Kinder Symptome aufweisen bzw. an ADS leiden, können auch nur 5-9% der Erwachsenen an ADS leiden (vorrausgesetzt, die Kindersterberate ist signifikant gering, was sie ja Gott sei Dank ist). Überlegen Sie kurz, wie viele Erwachsene Raucher sie kennen oder in etwa jeden Tag sehen. Ich will Suchtkranke auf keinen Fall in Schutz nehmen, aber sie sind, wie der Name schon sagt krank. So bedarf es oftmals einer Behandlung um sie „gesund“ zu machen. Egal, ob sie ihre Sucht selbst verschuldet haben odr nicht, irgendwann haben sie keine Kontrolle mehr darüber. Aber ich schweife ab. Ich wollte nur erwähnt haben, dass ADS keine Ausrede für exzessives Suchtverhalten darstellt.

In manchen Fällen entwickeln Betroffenen auch eine sogenannte Bipolarität. Im Volksmund wird sie oft als „manisch-depressive Krankheit“ bezeichnet. Bipolarität ist eine Persönlichkeitsstörung, die Phasenweise verläuft. Wie der Name schon sagt, gibt es manische und depressive Phasen. In den manischen Phasen zeigen die personen eine erhöte Aktivität, unangemessene gute Stimmung, gesenkte Hemmschwelle, wenig Schlafbedürfniss, Unruhe, etc. In den depressiven Phasen hingegen sind die Betroffenen niedergeschlagen, antriebslos, langsam, fühlen sich wertlos und haben sogar suizidale Gedanken. Unbehandelt ist Bipolarität eine sehr gefährliche Krankheit.

Was passiert, wenn ADS nicht erkannt wird?

Und was passiert, wenn ADS unbehandelt bleibt? Welche Krankheiten treten vermehrt im Zusammenhang mit ADS auf?

Wenn ADS nicht erkannt wird, kann das schwere gesellschaftliche Folgen für die Betroffenen haben. Er wird von seinem Umfeld als desinterresiert, faul, arrogant und dumm wahrgenommen. Er bekommt oftmals Sanktionen von Autoritätspersonen, wie Eltern oder Lehrern, ohne wirklich zu wissen warum. Folglich können die Betroffenen ihr „Fehlverhalten“ auch nicht abstellen oder korrigieren, wodurch eine ablehnende Haltung beider Parteien der jeweils anderen gegenüber entsteht. Gleichaltrige sind nicht gewillt oder fähig, die Betroffenen zu integrieren, da sie immer im Mittelpunkt stehen wollen und Gespräche, Spiele oder andere Handlungen unterbrechen. Betroffene werden oft als unangenehme Zeitgenossen beschrieben, als nicht gesellschaftsfähig oder einfach nur störend. Und als ob das nicht schon genug wäre, tragen diese ganzen Faktoren dazu bei, dass viele der ADS-Betroffenen Probleme in der Schule bekommen. Sie entwickeln eine solche Versagensangst, dass es ihnen noch schwerer als ohnehin schon fällt, sich während Klassenarbeiten zu konzentrieren. Schlechte Noten und miserabele Schulabschlüsse sind die unmittelbare Konsequenz.

Kommen wir nun zu Krankheiten und Störungen, die häufig mit ADS einhergehen. Da wären zuerst mal Störungen des Sozialverhaltens. Neben den üblichen, vom Umfeld wahrgenommenen „Störungen“ kommen zusätzlich noch aufsässiges und aggresives Verhalten hinzu. In Verbindung mit einer geringen Frustrationstoleranz eine sehr heikle Kombination. Diese Störungen können sich auf die Familie beschränken oder sich gar soweit ausweiten, das völlig Unbeteiligte sich auf einmal in der Schussbahn eines Wutanfalls befinden.

Weitere Störungen sind Störungen der schulischen Fertigkeiten. Dies manifestiert sich zum Beispiel in Form einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie. In schwerwiegenderen Fällen kann diese sich auch in mehreren Bereichen zeigen. Es kommt des öfteren auch zu Sprachstörungen wie stottern, stammeln und poltern. Auch eine Intelligenzminderung, das heißt eine unter dem Durchschnitt liegende kognitive Fertigkeit, kann auftreten. Diese zählt sogar schon zu den geistigen Behinderungen. Das zeigt die Notwendigkeit einer ärztlichen Meinung im Falle einer Vermutung seitens der Eltern oder des Betroffenen selbst.

Verhältnismäßig viele Betroffene zeigen auch Tic-Störungen und OCDs, Zwangshadlungen. Ähnlich wie bei unter dem Tourette-Syndrom leidenden Menschen führen die Betroffenen kurze unwillkürliche Bewegungen aus oder geben ungewollt Laute von sich. Ganz häufig bilden sich auch Angststörungen aufgrund des ständigen Versagens. Hierraus resultiert auch ein geringes Selbstbewusstsein und einer sehr negative Sicht der eigenen Person. In manchen Fällen führt dies zu Persönlichkeisstörungen und Depressionen.

Wenn sie also nicht sicher sind, ob jemand in Ihrem Bekannten- ode Familienkreis unter ADS leidet und sie einen begründeten Verdacht haben, nehmen sie die Mühe auf sich und gehen sie mit demjenigen zum Arzt und lassen ihn untersuchen. Schlimmstenfalls haben Sie nur ein paar Stunden Zeit geopfert, bestenfalls aber einem Menschen das Leben um einiges erleichtert.

Therapie und Behandlung bei ADS

Wie behandelt man ADS-Kranke? Auch auf diese Frage gibt es keine Universalantwort. Liegt diesmal allerdings nicht an mangelden Forschungsergebnissen, sondern an der Unterschiedlichkeit jedes einzelnen Falles. Daher macht man in den meisten Fällen eine sogenannte multimodale Therapie, bestehend aus

  • Aufkärung und Beratung der Eltern, Kinder, Verwandten und Lehrern/Erziehern
  • Elterntraining
  • Interventionen im Kindergarten bzw. der Schule
  • Psycho-, Verhaltens- und Ergotherapie
  • medikamentöse Behandlung

Eine ausführliche Aufklärung über das Thema ADS, die Symptome und Ausprägungen der Krankheit, die geplante Therapie etc. ist wichtig und grundlegend für jede Behandlungsform von ADS. Die Eltern und Lehrer müssen über den momentanen Stand der Kranktheit und der Therapie Bescheid wissen, um in gewissen Situationen richtig handeln zu können. Dieses „richtige Handeln“ wird auch in speziellen Elterntrainings geschult. Oftmals sind auch Gespräche mit der Schulklasse oder der Kindergartengruppe von großem Nutzen für die Betroffenen. So können sie besser integriert werden.

Die medikamentöse Behandlung findet vornehmlich mit Methylphenidat, den Meisten jedoch unter seinem üblichen Handelsnamen Ritalin bekannt, statt. Ritalin hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin, auch „Glückshormon“ genannt, und Noradrenalin, einem dem Adrenalin verwandten Hormon, dass unsere Konzentration und Aufmerksamkeit steigert. Wiederaufnahme heißt in diesem Fall die Wiederaufnahme der Hormone aus dem Blut durch ausschüttenden Zellen. Folglich erhöht sich die Blutkonzentration der beiden Hormone und man kann sich besser konzentrieren. Jedoch ist Ritalin ein gefährliches Mittel, es kann süchtig machen, wenn man zu großen Dosen über einen zu langen Zeitraum ausgesetzt ist. Daher wird jeder Patient individuell auf das Mittel eingestellt. In dieser Phase können Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit als Symptome auftreten. Bei Frauen lassen sich die Symptome oft auch mit Östrogenpräparaten in den Griff bekommen, allerdings sollten die Betroffenen schon etwas älter, also zumindest in der Pubertät sein.

Eine Verhaltenstherapie ist dann notwendig, wenn die Betroffenen als „teilweise sozial inkompetent“ eingestuft werden. Die Kinder lernen, wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten sollen und wie sie auf Mitmenschen, die nichts von ihrer Krankheit wissen und ihnen eventuell ablehnend gegenüber treten, reagieren sollen. Ergotherapie, Konzentrationsübungen und kognitives Training helfen den Kindern, sich ihre Konzentration zu verbessern und ihre Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern. Allerdings sollte dies, in Abgrenzung zum Begriff “Gehirnjogging”, nicht aus Zeitvertreib sondern als medizinische Maßnahme stattfinden. Das Internetportal NeuroNation bietet ein umfassendes kognitives Training und ab dem 01.10.2011 auch eine Software, die von Prof. Niedeggen von der FU Berlin mitentwickelt wurde.

Eine ganz neue Methode der Behandlungsunterstützung bietet die Nährstofftherapie. Es gab Studien, die belegt haben, dass eine tägliche Gabe von Omega-3-Fettsäuren zur Minderung der Symptome der Hyperaktivität beiträgt. Andere Studien geaben Zink, Vitamin E und Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel.

Es gibt auch ein paar Ansätze zu Alternativtherapien, zum Beispiel die sogenannte Neurotransmittertherapie. Hier erhalten die jeweiligen Personen Rückmeldung (optisch oder akkustisch) über Veränderung ihres EEGs, zum Beispiel wenn die Konzentration sinkt. So wissen die Betroffenen sofort Bescheid und können ihr Verhalten eventuell anpassen.

Ursachen für eine Erkrankung

Woran liegt das? Warum bekommt man ADS? Forscher haben darauf keine oder besser keine vollständige Antwort. Also warum sollte ich eine haben? Ich lege hier nur den momentanen Stand der Dinge dar.

Man geht von einer multifaktoriellen Ursache aus. Auf gut deutsch: Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Und zwar sind diese Faktoren biologisch, psychisch und sozial bedingt. Bei 50% der von ADS betroffenen liegt eine genetisch bedingte Anoralität der neuronalen Signalverarbeitung im Gheirn vor; soll heißen, das Gehirn des Betroffenen ist nur bedingt in der Lage, die Reize, die von außen kommen richtig bzw. überhaupt zu verarbeiten.

Prä- und frühe postnatale Ursachen spielen auch eine gewichtige Rolle. Zu den Risikofaktoren gehören Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen und Frühkindliche Krankheiten oder Verletzungen des zentralen Nervensystems, also des Gehirns und Rückenmarks. Zigaretten und alkohol während der schwangerschaft sind auch nicht förderlich, jedoch wird in diesen Fällen das Auftreten von ADS-Symptomen oftmals nur zweitrangig sein, da diese Stoffe hochgradig gefährlich für das Ungeborene sind und es nicht selten zu geistigen oder körperlichen Missbildungen kommt. Auch als Nicht-Mediziner kann ich Schwangeren guten gewissens davon abraten, zu rauchen, Alkohol zu trinken oder gar sich illegalen Drogen zu bedienen.

Wovon die Universität Helsinki abrät, ist der übermäßige Genuss von Lakritze. Ja, Lakritze. Sie mache angeblich die Plazenta durchlässiger für Stresshormone. Und somit steige die Gefahr einer Hirnschädigung. Eine langjährige Studie habe gezeigt, dass bei den Kinder der Frauen, die verhältnismäßig viel Lakritze währnd der Schwangerschaft gegessen haben, vermehrt Fälle von ADS auftauchen, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keine Lakritze mochte.

Was jedoch einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit hat, ist zum einen das Alter, in dem sich die Betroffenen befinden, wenn die Diagnose gestellt wird und zum anderen wie das soziale Umfeld auf diese Diagnose reagiert. Beim Alter gilt: Je früher, desto besser. Meistens ist die krankheit noch nicht so weit fortgeschritten und lässt sich sehr gut behandeln. Beim Umfeld, wozu man auch Lehrer, Erzieher und, je nach Alter, auch die Freunde oder Spielgefährten zählt, kommt es auf eine sorgfältige und unfassende Aufklärung an.

Wie erkennt man ADS?

Viele werden sich fragen, wie man ADS erkennt, und wann es nötig ist einen Arzt aufzusuchen. Leider gibt es dazu kein Patentrezept. ADS ist eine Krankheit, die sich in vielen verschiedenen Wegen manifestiert. Selten weist ein Betroffener alle typischen Symptome auf, oft ist nur ein einziges sehr stark ausgeprägt. Deswegen gibt es auch immer noch keine Richtlinie, wann jemand von ADS betroffen ist und wann nicht.

Hier liste ich die häufigsten Symptome in Abhängigkeit des Alters auf. Dies ist jedoch keine Garantie dafür, dass jemand ADS hat oder umgekehrt, dass man kein ADS hat, wenn man keines dieser Symptome aufweist

  • Baby und Kleinkindalter: Betroffene in diesem Alter werden oft als „Schreikinder“ oder „Speikinder“ bezeichnet. Sie zeichnen sich durch eine hohe Experimentier- und Erkundungsfreude bei gleichzeitigem Fehlen von Gefahrenbewusstsein aus.
  • Kindergarten- und Vorschulalter: Die Betroffenen sind schwer in andere Kindergruppen integrierbar. Sie weisen eine geringe Frustrationstoleranz auf, werden dadurch schnell wütend oder traurig. Sie versuchen, sich in den Vordergrund zu spielen und sind leicht abzulenken.
  • Schulalter: Sie nehmen in der Klasse eine Aussenseiterposition ein, werden meist als „Störenfried“ oder „Klassenkaspar“ bezeichnet. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist sehr kurz, sie lassen sich durch alles mögliche ablenken, z.B. Papierrascheln, ein Vogel vor dem Fenster, etc. Auch das Hausaufgaben machen fällt ihnen schwer, sie brauchen oftmals Stunden bzw. deutlich länger als andere Kinder ihres Alters. Dadurch entsteht oft eine sogenannte „Schulangst“, die Angst vorm Versagen in der Schule.
  • Jugendalter: Oftmals klingen die Symptome der Betroffenen mit dem Fortschreiten der Pubertät ab (was allerdings keinen bzw. keinen erwiesenen Zusammenhang) darstellt. Betroffene dieses Alters leiden jedoch oftmals an Stimmungsschwankungen, die bis hin zur Bipolarität reichen. Im Volksmund bezeichnet man sojemanden als manisch-depressiv. Betroffene sind vermehrt auch auf der Suche nach Extremen, nach dem „Kick“, den sie oftmals mit Drogen und Alkohol finden.

Was ist ADS?

Wir befassen uns hier mit der Frage, was genau ADS und ADHS sind. ADS heißt Aufmerksamkeitsdefizitstörung, ADHS beedeutet Aufmerksamkeitdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Im Grunde ist ADHS das Gleiche wie ADS + Hyperaktivität. Wenn ich im Folgenden immer von ADS rede, soll dies auch ADHS miteinschließen. Woher ADS genau kommt ist noch unklar. Es wird vermutet, dass mehrere Faktoren dabei eineRolle spielen. ADS macht sich dadurch bemerkbar, dass die betroffenen eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, sich nicht gut konzentrieren können, oftmals nicht still sitzen können oder einen großen Tatendrang haben. Bekannte Beispiele finden sich in Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter: Zappel-Philipp, Hans-guck-in-die Luft oder der böse Friederich weisen alle Symptome von ADS auf. In der Medizin ist man der Ansicht, dass es 3 Leitsymptome von ADS gibt:

  • Aufmerksamkeitsschwäche: beinhaltet Tagträumerei, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, leichte Ablenkbarkeit
  • Impulsivität: Mangelnde Verhaltenskontrolle, niedrige Frustrationstoleranz, redet und handelt, ohne wirklich über das Tun nachzudenken
  • Hyperkativität: nur bei ADHS, Betroffene sind unruhig, haben hohen Bewegungsdrang, „Zappel-Philipp-Syndrom“

In der Regel sind Kinder von der Kranktheit betroffen, jedoch gibt es Fälle, in denen sich die Symptome auch noch im Jugend- und Erwachsenenalter zeigen. Bei einer frühen Diagnose und folglich längeren Behandlungsphase ist dies jedoch selten der Fall. Im Allgemeinen erkranken Jungen 3 mal häufiger als Mädchen und es weisen in Deutschland (nach gegenläufiger Meinung der Allgemeinheit nur) etwa 5-9% der Kinder Symptome im Sinne von ADS auf

Oft werden ADS-Betroffene von Unwissenden als „dumm“, „faul“, „vertäumt“ oder „nervtötend“ bezeichnet. Allerdings können die Betroffenen nichts dafür, und so entsteht eine Abneigung gegenüber Fremden, fehlende Integrationsbereitschaft und Leistungsdruck.

Behandelt wird ADS meist mit dem Medikament Ritalin. Eine große Rolle spielt auch das Aufklären des Umfeldes der Betroffenen. Auch Konzentrationsübungen werden oftmals verwendet, um damit die Aufmerksamkeitsspanne der Betroffenen zu verlängern.

Ich habe diese Seite hier gemacht, um einen Überblick über das Krankheitsbild ADS und die Therapie mit Konzentrationsübungen zu geben, wie man die Krakheit erkennt, welche Ursachen es geben kann, welches die geläufigsten Behandlungsmethoden sind. Eine Sache möchte ich anmerken. Ich bin kein Arzt. Diese Seite soll keine ärztliche Diagnose ersetzen. Ich trage hier nur Wissen zusammen. Die Angaben sind ohne Gewähr. Wenn Sie wissen möchten, ob ihr Kind unter ADS leidet, gehen Sie zu einem Arzt und lassen es untersuchen. Nur weil ich hier die Symptome nicht aufgezählt habe, soll das nicht heißen, dass sich die Krankheit auch anders zeigen kann. Leider gibt es heutzutage viel zu viele Möchtegernmediziner, die sich durch Wikipedia u. Ä. „bilden“ und der Ansicht sind Ahnung zu haben. Im Zweifel jedoch lieber 10 € Praxisgebühr zahlen und zum Hausarzt gehen. Doch darum solls hier nicht gehen. Hier geht’s um eine Info-Seite zu ADS und Konzentrationsübungen.